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Essay 9 · Uwe Ruppenthal

Kommunikation zwischen den Menschen

Es gibt ein geheimnisvolles Feld, das entsteht, wenn Menschen miteinander kommunizieren. Dieses Feld entsteht nicht nur, wenn sie miteinander reden, sondern auch, wenn sie sich zum Beispiel in der U-Bahn gegenübersitzen oder auf der Straße aneinander vorbeigehen. Dieses Feld entsteht, wenn wir uns gegenseitig wahrnehmen.

All dies geschieht unbewusst. Unser Verstand, der all diese Sinneseindrücke analysiert, wertet und einordnet, tut dies blitzschnell und verbindet mit diesen Eindrücken Interesse und vielleicht auch Wertschätzung oder Ablehnung oder auch Gleichgültigkeit.

Interessante Eindrücke werden abgespeichert, an diese können wir uns später erinnern.

Die direkte Art der Kommunikation, ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht, kann unter Umständen starke Gefühle erzeugen, große Zuneigung (Verliebtsein), aber auch Hass und totale Ablehnung.

Dieses bewusste Erleben eines anderen Menschen bei einem Gespräch zeigt mir ja dessen Reaktionen, dessen Mimik, sein äußeres Erscheinungsbild, ob er angespannt oder eher entspannt wirkt.

All dies läuft ab durch dieses eingangs erwähnte mentale Feld. Ich möchte hierauf im Folgenden näher eingehen:

Die Quantenphysik lehrt uns, dass es keine Materie im herkömmlichen, altbekannten Sinne gibt.

Materie ist eine Modifikation, eine Äußerung des Geistes. Dieser Geist durchdringt alles, die ganze Erde, wie auch das Universum und die subatomare Welt.

Da die Materie entsteht und vergeht und der Geist nicht vergehen kann, könnte man sagen:

Alles ist letzten Endes Geist.

Was bedeutet dies nun in Bezug auf das „mentale Feld“, welches zwischen den Menschen existiert?

Hier stellt sich die interessante Frage: Können wir mit unserem Bewusstsein dieses Feld wahrnehmen?

Dies mag in einzelnen Fällen, bei bestimmten Menschen möglich sein. Diese Menschen strahlen eine gewisse „Aura“ aus, es ist ein Energiefeld, eine Leucht- oder Lichterscheinung.

Früher nannte man das einen „Nimbus“. Im römischen Altertum und in der Kirche wurden Menschen nimbiert dargestellt, also mit einem Heiligenschein.

Wir müssen aber sagen, dass im normalen Alltagsleben ein solches Feld von unserem Bewusstsein nicht wahrgenommen wird.

Was heutzutage die Kommunikation zwischen den Menschen anbelangt, stellen wir fest, dass der Austausch enorm zugenommen hat. Es werden auch weiterhin Briefe geschrieben, aber der Austausch via Telefon und vor allen Dingen dem Smartphone verbindet heute sehr viele Menschen weltweit miteinander. Jeder ist jederzeit erreichbar.

Dies ist natürlich ein gewaltiger Fortschritt und ein gewaltiger Austausch von Informationen.

Dieser Austausch geschieht aber sehr oft nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern über Netzwerke und Foren im Internet, durch elektromagnetische Strahlung.

Im Zusammenhang mit der Digitalisierung und der immer stärker werdenden Nutzung der „Sozialen Medien“ zur Kommunikation änderte sich das Sozialverhalten der Menschen in den modernen Gesellschaften.

Durch gewaltige wirtschaftliche Prosperität in den vergangenen Jahrzehnten und den dadurch entstandenen Wohlstand wuchsen die Ansprüche, zur gleichen Zeit aber auch die Bequemlichkeit. Die Überflussgesellschaft und der Wohlstand forderten ihren Preis.

Ich möchte hier Beispiele anführen:

Das Kaufverhalten vieler Bürger hat sich verändert. Man geht oft nicht mehr in ein Geschäft, wo man bedient und beraten wird, wo man das gewünschte Kaufobjekt anschauen kann (hier gibt es immer auch Gespräche). Stattdessen greift man zum Smartphone oder Handy und macht eine „Online-Bestellung“, und das Paket wird von Facharbeitern an die Wohnungstür geliefert. Bei Nichtgefallen kann man das Paket zurückschicken, die Ware wird dann in der Regel vernichtet. Das Ergebnis ist die Insolvenz vieler Geschäfte und Läden, weil die Leute „online“ einkaufen.

In den großen Städten unseres Landes muss man nicht in eine Gaststätte gehen, um das dringend benötigte Essen zu sich zu nehmen. Man kann es auch mit Hilfe des Smartphones bestellen. Es wird dann von dringend benötigten Arbeitern an die Wohnungstür geliefert. Wenn man das Essen in einem Lokal zu sich nehmen würde, wäre das immer mit Gesprächen verbunden.

Was dieser ganze Irrsinn volkswirtschaftlich bedeutet, ist schwer zu ermessen.

Ein weiterer interessanter Aspekt, was die Kommunikation anbelangt, ist die Situation in einem ICE anlässlich einer Bahnfahrt. Hier haben sich die Fahrgäste früher in einem Abteil sehr oft unterhalten. Sie haben sich ausgetauscht und durch die Gespräche die gefühlte Fahrzeit verkürzt. Heute herrscht in den Zügen eine absolute Stille.

Die Leute sind alle abgedriftet in die irreale Welt ihrer Smartphones, Laptops und Tablets.

Grundsätzlich kann man annehmen, dass die Kommunikation zwischen den Menschen zugenommen hat. Sie findet via Smartphone auch verstärkt in der Öffentlichkeit statt. Auf dem Bürgersteig kommen einem ständig Menschen entgegen, die auf ihr Smartphone starren. Sie führen wahrscheinlich ein Gespräch oder sind im Hirn schon so kaputt, dass sie irgendwelche Spiele oder auch nur schnell wechselnde Bilder anschauen.

Ein Fazit aus all diesen Überlegungen ist die Tatsache, dass die Menschen auch heute, wie zu allen Zeiten, miteinander kommunizieren, nur dass dies immer weniger von Angesicht zu Angesicht geschieht. Nur die direkte Wahrnehmung eines anderen Menschen lässt eine emotionale Verbindung, das eingangs erwähnte Feld, entstehen – nicht die Kommunikation über elektromagnetische Felder und Strahlung der Smartphones.

Uwe Ruppenthal
Berlin, den 20.12.2025