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Essay 8 · Uwe Ruppenthal

Ist unsere Wahrnehmung eine Illusion?

Zwei Dinge müssen in diesem Essay vorab geklärt werden:

Erstens: Existiere ich selbst?

Zweitens: Existiert die Welt?

René Descartes kam zu dem Schluss: „cogito ergo sum“ – ich denke, also bin ich.

Denken, also auch Wahrnehmen, ist das Einzige, dessen Realität sicher ist.

Wir existieren und nehmen mit unserem Bewusstsein und unseren Sinnen eine uns umgebende Umwelt als Realität wahr. Wenn wir von diesen beiden Entitäten ausgehen, können wir sagen: Wir existieren als Menschen in einer Welt. Wir sind ein Teil vom Ganzen, ein Teil der Wirklichkeit.

Das Entscheidende ist nun, dass sich diese Wahrnehmung, dieses Erkennen nur in unserem Gehirn abspielt. Es sind neuronale Vorgänge, bei denen unser Gehirn eine Interpretation bzw. ein Bild der Außenwelt konstruiert.

Das, was wir sehen, ist nicht die fundamentale Realität, sondern eine Projektion, die in unserem Bewusstsein Gestalt annimmt.

Bewusstsein ist die Grundlage der Realität.

Mit den Augen sehen wir, mit den Ohren hören wir, mit der Nase riechen wir. So entsteht in unserem Gehirn ein Bild von der Welt.

Dieses Bild stimmt aber nicht mit der Wirklichkeit überein.

Hier gibt es keine Farben, keine Geräusche und keine Gerüche.

Die Wahrnehmung der Realität mag bei einzelnen Menschen etwas unterschiedlich sein, was wirklich unterschiedlich ist, dürfte die Interpretation dieser Realität sein, die das Gehirn ohne unser Zutun vornimmt.

Es ist eine Deutung dieser Außenwelt, die aus Licht, Signalen und Erinnerungen zusammengesetzt wird.

Alles, was wir wahrnehmen, setzen wir in Bezug zu bisher Wahrgenommenem und Erlebtem und dies geschieht völlig unbewusst.

Die Realität, wie wir sie wahrnehmen, entsteht durch Beobachtung der uns umgebenden Welt.

Diese Interaktion zwischen unserem Bewusstsein und der Umwelt führt zu einem geheimnisvollen Zusammenhang, der hier erläutert werden soll:

Nach der Quantenmechanik existieren Elementarteilchen nicht an einem bestimmten Ort oder in einem bestimmten Zustand, solange niemand misst oder zuschaut. Stattdessen befinden sie sich in einer Überlagerung (Superposition) vieler Möglichkeiten zugleich.

Erst wenn man misst, entscheidet sich die Natur für ein bestimmtes Ergebnis. Dies bedeutet, durch den Messvorgang (auch hier wird ja beobachtet) entsteht aus einer Möglichkeit die Realität (Kollaps der Wellenfunktion). Es ist wichtig an dieser Stelle zu sagen, dass das Bewusstsein selbst nicht die Realität erschafft, sondern die Realität konkretisiert.

Wenn wir etwas anschauen, interagiert unser Bewusstsein ständig mit einer Realität, die durch unser Anschauen (unser Bewusstsein) konkret geworden ist.

Die Welt ist nicht etwas, das außerhalb von uns unabhängig existiert, sondern wir erleben nur unsere Wahrnehmung von ihr, eben durch unser Bewusstsein.

Bewusstsein steckt nicht im Körper, sondern der Körper erscheint uns im Bewusstsein.

Fazit:

Durch die Erkenntnisse der Quantenphysik wissen wir heute, dass Materie Energie in Verdichtung ist. Vielleicht ist ja letzten Endes das, was wir Materie nennen, Geist in Verdichtung. Alles, was existiert, ist geistiger Natur und wir sind in unserer kurzen Lebenszeit Zeugen eines großen, ungeheuren Geschehens. Alles Vergangene ist nicht weg, sondern konserviert in der geistigen Welt. Man könnte auch sagen, alles, was abläuft, ist wie ein Film im Kino, jedoch der Film ist absolut real. Wir leben vielleicht in einer virtuellen Realität oder gar in einer Simulation.

Uwe Ruppenthal, Berlin, den 7.3.2026