Dies ist der Versuch, dem geheimnisvollen Zusammenhang zwischen Geist und Materie im menschlichen Leben etwas näher zu kommen.
Wo ist die Schnittstelle, wie ist die Wirkungsweise des Geistes auf den menschlichen Körper und gibt es überhaupt Materie im gewohnten Sinne? Die Kernfrage dieses Essays 1 lautet:
Könnte der Geist und unsere Seele auch außerhalb unseres Gehirns existieren und stirbt der Geist (oder unsere Seele) mit dem Körper beim Tod? Das Fazit dieses Traktates vorweggenommen lautet: Alles ist letzten Endes Geist und Energie.
Essay 1
Es gibt eine umfassende geistige Welt, die alles materielle Sein durchdringt.
Die Ebene des Seins, in der wir uns während unserer Lebenszeit bewegen, also unsere wahrnehmbare Welt, zeigt uns allerdings deutliche Grenzen unseres Erkenntnisvermögens auf.
Um einen Anfang zu finden, könnte man sagen: Wir Menschen nehmen mit unseren Sinnen die uns umgebende Umwelt wahr. Wir versuchen, die Welt und was um uns herum geschieht, zu verstehen und benutzen dazu unseren „Verstand“. Dieser verarbeitet von außen aufgenommene Informationen und Reize. Diese Informationen verarbeiten wir in unserem Gehirn zu Strukturen und Gedankenformen, welche sich im Gedächtnis als Bilder niederlegen und mehr oder weniger verfestigen, aber auch verändern oder auch ergänzt werden können. Es entstehen Vernetzungen, die wir auch als Prägungen bezeichnen. Das Gehirn ordnet die Eindrücke, die wir durch unsere Sinne aufnehmen.
Wir können diese Bilder aus unserem Gedächtnis immer wieder aufrufen. Es sind quasi Gedankenkonstrukte wie beispielsweise eine bestimmte Haltung zu einem bestimmten Sachverhalt.
Wir spüren und erahnen aber, dass es über unsere unmittelbare Wahrnehmung hinaus auch ein anderes Sein oder viele andere Seinsformen geben könnte. Wenn wir im Alltag handeln, steuert unser Geist unsere Tätigkeit – dies ist selbstverständlich. – Es gibt jedoch offensichtlich eine geistige Macht, die uns beeinflusst und unabhängig von uns wirkt, in der Natur und im ganzen Universum.
Diesen Geist wollen wir den Schöpfer oder Allgeist nennen.
Er ist die Ursache allen Seins, im Universum sowie im kleinsten Teilchen, wir nennen ihn auch Gott oder die Einheit. Er ist die Ursache für die von uns wahrgenommene Materie.
Die sichtbare Materie ist also eine Äußerung des Geistes. Dieser Geist er wirkt und waltet in allem, also auch in uns Menschen. Alles Geschehen in der von uns wahrnehmbaren Welt hat eine Entsprechung in der geistigen Welt. Jede Art wird in der ihr eigenen Idee und Form in der realen Welt, nach einem Bauplan, nachgebildet.
Dies soll hier näher erläutert werden:
Alle Geschöpfe, das heißt alle Pflanzen, Tiere und auch der Mensch, entwickeln sich nach einem Bauplan, der in der geistigen Welt verortet ist. Da alle Materie entsteht und wieder vergeht, ist eine ständige Reproduktion der Geschöpfe notwendig. Die Vererbung geschieht über Samen, dem Ei, einer Nuss usw. In den Genen ist der gesamte Bauplan einer Spezies enthalten. Der Idealgestalt einer Spezies in ihrem endgültigen, fertigen Zustand liegt die Idee einer transzendenten Form, auch als mathematische Struktur, zugrunde, welche sich dann als physisches Lebewesen, ob Mensch, Pflanze oder Tier vergegenständlicht.
Ich möchte hier als Beispiel die Entstehung und den Wuchs eines Baumes anführen:
Die Eichel, die auf dem Waldboden liegt und aus der ein neuer Baum entstehen wird, findet bestimmte Bedingungen vor, an die sie sich anpassen muss. Wie groß ist der Abstand zu den Nachbarbäumen, wie ist die Bodenbeschaffenheit? Existiert eine Pilzkultur im Boden, mit der der Baum eine Symbiose eingehen kann?
Entscheidend sind also auch die äußeren Bedingungen, unter denen sich ein Organismus entwickelt, und diese Bedingungen können sich auch ändern. Aus dem Nichts kann nichts entstehen. Allen Organismen liegt ein fertiger Bauplan zugrunde.
Dieser Bauplan ist in der geistigen Welt, die in aller Welt wirkt, und dieser Geist ist der Schöpfer, der bei allem Geschehen wirkt und gestaltet.
Bewusstsein und Gedächtnis
Alle Erlebnisse im Laufe unserer Lebenszeit werden im Unterbewusstsein, also unserem Gedächtnis, abgespeichert. Aber wo befindet sich dieser Speicher? Könnte er sich auch außerhalb unseres Gehirns im „Allgeist“ befinden? Könnte unser Gehirn, welches ja physiologisch arbeitet, mit ihm kommunizieren und beispielsweise Informationen aus unserem Gedächtnis aus dem Allgeist abrufen?
Dies würde bedeuten, dass unsere Erinnerungen in der geistigen Welt abgespeichert sein könnten und nicht in unserem Gehirn.
Dies ist nur sehr schwer zu verstehen. Eine Erklärung könnte sein, dass ja der Geist nicht nur im Gehirn, sondern in allem waltet und alles miteinander verbunden ist.
Unsere Seele könnte nach dem Tod als unser Vermächtnis im umfassenden Allgeist weiter existieren, und wenn der Geist unvergänglich ist, sich in neue Zustände und Formen verwandeln.
Die Menschen in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrtausenden haben die Welt ganz anders wahrgenommen als die heute Lebenden. Sie waren viel stärker mit der geistigen Welt und den Ahnen verbunden, sie hatten ein starkes spirituelles Bewusstsein, was dazu führte, dass sie die Welt und die Natur viel unmittelbarer erlebten. Wir haben uns heute in unseren Lebensräumen sehr stark von der Natur entfernt. Wir leben in einer von uns Menschen geschaffenen Umwelt, die uns sogar von der Natur abschottet und schützt. Wir haben uns durch die Digitalisierung sogar eine irreale, virtuelle Parallelwelt geschaffen.
In der Menschheitsgeschichte gibt es viele Beispiele, die aufzeigen, dass der Mensch als materielles Wesen eine Verbindung zur geistigen Welt herstellen kann. Dies gilt besonders für die Frühzeit, jene Zeit, in der der Mensch noch ursprünglich lebte und eine starke Beziehung zur Natur und den Ahnen hatte.
Es waren weise Frauen, Medizinmänner, Schamanen, auch Propheten, welche die Verbindung zum Geist herstellen konnten. Diese Verbindung wird besonders im Buddhismus angestrebt und praktiziert, aber natürlich auch in allen anderen Religionsgemeinschaften. Dies geschieht durch das Gebet und durch Meditation.
Der unsterbliche Teil in uns Menschen, also unser Geist oder unsere Seele, kann von uns gestaltet und entwickelt werden, auch in Verbindung zur geistigen Welt, wenn wir den Willen dazu haben und diese Verbindung suchen. Vorausgesetzt, der Mensch hat einen freien Willen und nutzt ihn.
Es ist selbstverständlich, dass unser Handeln von geistigen Entscheidungen bestimmt wird. Es sind bewusste Äußerungen, welche die Kommunikation zwischen den Menschen kennzeichnet. Es gibt jedoch auch Verbindungen, die unbewusst ablaufen. Wir können uns nicht erklären, wie sie zustande kommen und auf welche Weise sie klären. Es sind Verbindungen, die möglicherweise über ein Feld entstehen. Solche Felder entstehen auch im Alltag beispielsweise in der U-Bahn, wenn Menschen sich gegenübersitzen, auch wenn sie nicht miteinander kommunizieren.
Was die heutige Zeit anbelangt, könnte man den britischen Biologen Rupert Sheldrake anführen, der viel geforscht und geschrieben hat über „morphogenetische Felder“. Diese Felder spüren wir in zwischenmenschlichen Beziehungen, zwischen Menschen und Tier, und manchmal auch über große Entfernungen. Ein morphogenetisches Feld ist wissenschaftlich nicht messbar, also nicht nachweisbar. Das morphogenetische Feld erstreckt sich um den ganzen Erdball.
Ein solches Feld gehört zu den Phänomenen der subatomaren Welt, also der Welt der kleinsten Teilchen, der Elementarteilchen (sie sind masselos).
Hier hat die Wissenschaft jedoch durch die Quantenphysik gewaltige Fortschritte gemacht. Dazu gehört die Erkenntnis, dass in dieser subatomaren Welt nicht mehr die Newtonschen Gesetze gelten, sondern eher ein Zufallsprinzip herrscht, ein Prinzip von „Möglichkeiten“.
Hier sind die „Quantenfelder“ zu erwähnen. Sie sind eine Verbindung zwischen Geist und Materie – es sind unsichtbare Felder aus Energie und Informationen und existieren unabhängig von Zeit und Raum.
Gott ist für uns Menschen nicht vorstellbar, nicht begreifbar. Wir spüren ihn aber intuitiv, denn er wirkt ja auch in uns Menschen.
Wir nennen das, was vom allumfassenden Geist in uns wirkt und sich entwickelt „Die Seele“. Es ist die geistige Verfasstheit eines Menschen, in der Regel (in unserem Kulturkreis) im religiösen Sinne.
Die Seele entwickelt sich im Laufe des Lebens und ist abhängig vom Verlauf eines Menschenlebens mit all seinen Ereignissen und Prägungen und ist natürlich schon im neugeborenen Kind vorhanden.
Es gibt jedoch auch Prägungen, die genetisch vererbt werden. Im Grunde genommen ist ein neugeborenes Kind schon vorgeprägt. Wir nennen das Naturell oder Veranlagung. Die gesamte Menschheitsgeschichte ist bei der Geburt in uns rudimentär angelegt.
Alles ist Geistigkeit, es gibt zwar eine Wechselwirkung zwischen Geist und Materie, aber der Geist bleibt immer in der Materie. Alles, was wir um uns herum in der Welt wahrnehmen, war zunächst fein-stoffliche Energie, es war Geist, ein Gedanke oder vielleicht sogar Bewusstsein, bis es als grob-stoffliche Energie zu Materie wurde.
Wir Menschen erfahren diese Wechselwirkung ganz unmittelbar. Der Geist ist sehr bestimmend für unser körperliches Befinden. Im Medizinbetrieb gibt es den Begriff der „psychosomatischen Erkrankung“. Hirn und Bauch wirken direkt auf unseren Körper ein. Hier wird das Zusammenspiel von Geist und Materie sehr deutlich und erfahrbar.
Krankheiten und krisenhafte Situationen in unserem Leben können wir durch „Willenskraft“ direkt beeinflussen, und es liegt an uns selbst, wie wir mit unseren geistigen Fähigkeiten umgehen.
Man muss in seiner inneren Welt entwickeln, was in der äußeren Welt erschaffen werden soll.
Der Geist ist unsterblich, die Materie jedoch als Modifikation des Geistes ist vergänglich, sie entsteht und vergeht. Vielleicht könnte man sagen, DIE MATERIE IST SICHTBARE MORPHISCHE ENERGIE (Verdichtete Energie, z. B. ein Stein)
Die Seele geht ja, wenn ein Mensch gestorben ist und der materielle Teil nicht mehr existiert, als geistiges Vermächtnis eines Menschen in den allumfassenden Geist über. Wenn wir sterben, gehen wir zurück zu Gott.
Wenn wir davon ausgehen, dass der Geist ewig und die Materie vergänglich ist, so stellt man fest, dass die Materie, das heißt unsere Umwelt, in der wir leben, einem ständigen Wandel unterworfen ist.
Diesen Wandel nennen wir ja auch „Leben“ – lebendig sein. Diese Lebendigkeit ist gegeben, wenn Körper und Geist miteinander interagieren.
Wesentlicher Ausdruck des Geistes ist das Bewusstsein des Menschen. Er ist sich seiner selbst und seiner Umwelt bewusst. Auch die Tiere haben ein Bewusstsein. Was uns Menschen jedoch von ihnen unterscheidet, ist die Fähigkeit des „abstrakten Denkens“. Es ist eine schöpferische, gewissermaßen göttliche Dimension.
Der Mensch ist schöpferisch, er hat göttliche Fähigkeiten. Aufgrund dessen kann er sich die Erde untertan machen und nach seinen Wünschen die Welt verändern und gestalten, sowohl zum Guten als auch zum Schlechten hin.
Wie gesagt, was das Leben des Menschen anbelangt, so wird dies durch ständige Veränderung bestimmt. Alles verändert sich, es gibt nichts Statisches, selbst scheinbar tote Materie, der wir kein Leben zuschreiben, verändert sich, indem sie vergeht, manchmal über tausende oder viele Millionen Jahre. Das Wesen des Seins ist die Veränderung, die Transformation, die Umwandlung, wie z. B. in der Physik – die Aggregatzustände: fest, flüssig, gasförmig.
All dies geschieht in einer Polarität. Das Sein ist bestimmt durch die Gegensätzlichkeit – Entstehen und Vergehen, hell – dunkel – groß – klein – stark – schwach, zentripetal – zentrifugal bis hin zu Gut und Böse im geistigen Sinne.
Schon der griechische Philosoph Heraklit von Ephesos sagte: panta rhei (alles fließt). Nichts ist so beständig wie der Wandel.
Alles, was geschieht, geschieht nach dem Kausalitätsprinzip aus einer Zwangsläufigkeit heraus, das Sein läuft ab in „Kausalketten“, welche sich immer neu aufbauen und sich gegenseitig bedingen. Dies bezieht sich auf das menschliche Leben, aber natürlich auch auf das gesamte Geschehen im Universum. So ist gewissermaßen der Beginn und das Ende allen Seins prädestiniert.
Hier stellt sich, wie schon erwähnt, die Frage nach dem freien Willen. Kann der Mensch frei entscheiden, oder ist letzten Endes seine Entscheidung vorgegeben durch die kausalen Zusammenhänge?
Dies ist und bleibt ein großes Geheimnis und der Mensch wird weiterhin das Gefühl haben, dass er freie Entscheidungen treffen kann.
Ein Fazit aus diesen Überlegungen heraus könnte sein: Mit der Stunde der Geburt ist die Stunde des Todes festgelegt.
Abschließend sei noch der Logos erwähnt, ein oft benutzter, man könnte sagen, ein Allerweltsbegriff.
Logos ist ein geistiges Prinzip, welches das logische Denken und die menschliche Ratio kennzeichnet. Nach Platon (428 – 348) wird die vom „Handwerker“, dem Welterschaffer, Demiurg, geschaffene – „vernünftig denkende Aktivität“ als die Weltenseele, als den Logos bezeichnet. Der Logos ist die Ordnung im Kosmos.
In der griechischen Philosophie ist der Logos das aktive Element im Kosmos, das der Weltordnung Gestalt und Leben gibt, während die Materie das passive Element darstellt. (Diogenes Laertios 180-240 nach Chr.)
Die bekannteste Auseinandersetzung um das Verständnis des Logos finden wir im Prolog des Johannesevangeliums (Joh 1.1 und 1.14), mit der Aussage: Am Anfang war das Wort … dies kann nur so interpretiert werden: Am Anfang war der GEIST. Hier gibt es in der Bibelforschung bis heute heftige Auseinandersetzungen, wie dieser Begriff „Wort“ zu deuten ist. (siehe auch Goethes Faust 1)
Abschließend sei noch einmal die eingangs erwähnte Schnittstelle zwischen Geist und Materie in den Fokus genommen.
Hier ist das „Doppelspalt-Experiment“ zu erwähnen, welches uns das große Geheimnis der Quantenmechanik aufzeigt. Ohne näher darauf einzugehen, sei nur so viel gesagt:
Bei diesem Experiment wird folgende Anordnung getroffen: Zwei Tafeln stehen hintereinander. Die erste Tafel hat in der Mitte einen Doppelspalt, die zweite Tafel ist die Projektionsfläche. Nun wird ein Lichtstrahl durch den Doppelspalt auf die Projektionsfläche gerichtet. Auf dieser können nun zwei verschiedene Bilder entstehen, und zwar entweder ein Streifenmuster oder es zeigen sich Flecken. Nun hat das Licht wohl eine Doppelnatur, es zeigt sich einmal als materielles Teilchen und zum andern als immaterielle Welle. Durch die Beobachtung des Vorganges während des Experimentes (mit hochfrequentem Licht) entsteht eine Interaktion zwischen dem Beobachter und den Photonen des Lichts. Diese Beobachtung bewirkt eine Veränderung. Aus der Wellenfunktion (Wellen von Wahrscheinlichkeiten) wird eine Teilchenfunktion. Das bedeutet, der Vorgang der Beobachtung, das heißt unser Bewusstsein, beeinflusst auf irgendeine Weise das Licht. Die Quantenphysiker haben bis heute keine wirkliche Erklärung für diesen Sachverhalt.
Dies ist wohl das wichtigste Experiment der modernen Physik und lässt aber immer noch viele Fragen offen. Es ist aber ein klarer Hinweis auf die Wechselwirkung von Geist auf das, was wir Materie nennen.
Es gibt wohl eine Schnittstelle, sie liegt im Innersten der Materie zwischen physischer und geistiger Realität.
Jedoch wird unser Verständnis von Wirklichkeit, also die klassische Physik, in Frage gestellt. Es wird ein vollständig immaterielles Element in die klassische Physik eingeführt, und zwar die Ebene der Möglichkeiten und die Gesetze der Wahrscheinlichkeit in Verbindung mit dem menschlichen Bewusstsein. Dies lehrt uns die Quantenphysik, sie besagt, dass die Welt, in der wir leben, nicht vollständig definiert ist. Sie existiert nicht unabhängig von unserer Beziehung zu ihr.
Die Welt ist keine objektive Tatsache, sondern ein dynamisches Gefüge von Beziehungen in einer energetischen Form.
(Hinweis: Es gibt ein Buch von Natalie Knapp mit dem Titel: Der Quantensprung des Denkens, hier wird auch das Doppelspalt-Experiment sehr anschaulich beschrieben.)
Hier noch eine verwirrende Überlegung:
Dieser Essay befasst sich mit dem Geist und der Materie. Dies sind sozusagen Zustände, welche definitiv existent sind. Es gibt aber möglicherweise noch einen dritten Zustand, den man nicht erklären und auch nicht verstehen kann, das „Nichts“.
Dies können wir uns nicht vorstellen, denn man kann sich nur „Etwas“ vorstellen, man kann sich nicht „Nichts“ vorstellen.
Nach der christlichen Lehre erschuf Gott die Welt aus dem Nichts. Für den Kirchenvater Augustinus war diese Doktrin im 4. Jahrhundert Ausgangspunkt beunruhigender Überlegungen. Augustinus gestand, anders als die griechischen Philosophen, dem Nichts eine gewisse Existenzberechtigung zu.
Aber wie sehen wir heute die Entstehung des Universums aus dem Nichts? Wir wissen es nicht, wir können diese Frage nicht beantworten. Auch wenn die Hybris, die uns Menschen eigen ist, uns immer wieder dazu verleitet, Fragen zu stellen, auf die wir niemals eine Antwort erhalten werden. Eine Antwort erhalten wir jedoch durch die Forschungsergebnisse der Quantenphysik. Diese besagt, dass es das Nichts nicht gibt. Es gibt keinen leeren Raum, das Nichts existiert nicht.
Fazit:
Es gibt in der Philosophie seit Jahrhunderten eine Auseinandersetzung zwischen zwei Geisteshaltungen, dem Materialismus und dem Dualismus.
Der Materialismus, der besonders in der Neuzeit, durch die wissenschaftliche Forschung, beispielsweise in der Physik, große Fortschritte gemacht hat, geht davon aus, dass es keine Art von Geist außerhalb des menschlichen Gehirns gibt. Die Umwelt existiert unabhängig von uns Menschen, aber wir haben die Möglichkeit, sie nach den Gesetzen der Physik (des Isaak Newton) zu gestalten.
Geist sind neuronale Vorgänge im Gehirn, die mit dem Tode aufhören zu existieren.
Der Dualismus hingegen sieht eine umfassende geistige Welt, nicht nur in Bezug auf die Erde, sondern in Bezug auf das ganze Universum. Hier hat das „Bewusstsein“ eine große Bedeutung, nicht nur für den Menschen, sondern auch für das ganze Universum, dem man ebenfalls ein umfassendes Bewusstsein zuschreibt. Im Dualismus existiert natürlich die Materie, die entsteht und wieder vergeht, aber darüber hinaus ein Bewusstsein, welches nicht vergehen kann und über den Tod hinaus vielleicht als Seele weiterlebt. (im religiösen Sinne)
Es gibt heute ein drittes, aktuelles Forschungsfeld, die „Quantenphilosophie“, welche uns eine völlig neue Sichtweise auf die Welt eröffnet. Es findet ein Paradigmenwechsel statt. Der Materialismus ist eigentlich, auch wegen seiner inneren Widersprüche, obsolet. Der Dualismus hingegen muss neu gedacht werden. Es gibt heute durch die wissenschaftliche Forschung völlig neue Erkenntnisse. Wir müssen unsere Vorstellung von Materie ändern. Sie ist nicht so beschaffen, wie wir uns das vorstellen. Die große Mehrheit der Menschen ist auch heute noch der Meinung, dass auf der atomaren Ebene die einzelnen Atome fest miteinander verbunden sind und so die feste, uns vertraute Materie bilden. Die Quantenphysik lehrt uns aber, dass die Atome sich im Raum frei bewegen, und dass dieser Raum mit energetischen Feldern gefüllt ist. Diese Felder sind voller Fluktuationen und Wellen. Die Atome selbst (bzw. der Atomkern) ist mit starker, verdichteter Energie geladen. Die Felder in unserem Körper bestehen aus dem gleichen elektromagnetischen Feld wie die Felder in einem Stern des Universums.
Die Atome bewegen sich also in einem freien Raum. Das Atom selbst besteht ebenfalls aus sehr viel freiem Raum. Zwischen dem Kern, der aus Protonen und Neutronen besteht, und der Elektronenhülle, in der die Elektronen auf nicht festgelegten Bahnen als Welle in einer sog. „Superposition“ kreisen, existiert ein riesiger Abstand, der dem Verhältnis 1 zu 20 000 bis 150 000 entspricht. Der Kern ist also winzig klein, trägt jedoch 99,99 % der Masse des Atoms. Dies bedeutet, dass im winzigen Kern eine ungeheuer große, verdichtete Energie herrscht.
Letzten Endes ist das, was wir Materie nennen: zum großen Teil verdichtete elektromagnetische Energie in verschiedenen Erscheinungsformen.
Im Mikrokosmos auf der subatomaren Ebene herrschen andere Gesetze und Realitäten als auf der Seinsebene, auf der wir leben. Hier herrscht wohl eine Entropie, die Heisenberg schon vor hundert Jahren als „Unschärferelation“ beschrieben hat.
Auf dieser Ebene besteht die Realität nicht aus festen Teilchen, sondern aus Wellenfunktionen, aus mathematischen Feldern, die nur Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten ausdrücken. Erst wenn eine Messung erfolgt oder eine Beobachtung durch das menschliche Bewusstsein, wird aus einer Möglichkeit eine Realität.
(Kollaps der Wellenfunktion) hierzu ist noch zu sagen, dass ein Partikel, bevor er beobachtet wird, sich in einer sog. „Superposition“ befindet. Eine Superposition ist eine Überlagerung vieler Möglichkeiten. Dies bedeutet, er ist nicht an einem spezifischen Ort oder in einem spezifischen Zustand, stattdessen existiert er als reine Möglichkeit an vielen Orten zur gleichen Zeit.
Das Wirken des Menschen auf der Erde, und die Bedeutung der Gesetze
Der „homo sapiens“ existiert seit 80 bis 100 000 Jahren auf diesem Planeten Erde. Er hat sich besonders in den letzten 500 Jahren durch Wissenschaft und Technik dramatisch schnell und nachhaltig entwickelt.
Was hat diese Entwicklung möglich gemacht und was waren die Voraussetzungen, dass sich der Mensch in einem solchen Ausmaß ausbreiten konnte?
Nach neueren Schätzungen soll die Erdbevölkerung im Jahre 2050 die 10-Milliarden-Grenze erreicht haben. Dies geschieht trotz ungeheurer Rückschläge im Verlauf des Anthropozäns in der Vergangenheit wie Kriege, Seuchen, Naturkatastrophen usw.
Was lässt die Spezies Mensch überleben?
Es mag in erster Linie die Tatsache sein, sich in Gruppen zu organisieren – z. B. als Familie, Clan, Stamm, Volk, als Gemeinwesen. Die Voraussetzung hierzu ist die Existenz von Vereinbarungen, Absprachen, Gesetzen, die erst ein Zusammenleben ermöglichen. In der Gemeinschaft kann der Mensch große Dinge vollbringen, die ein Einzelner niemals leisten könnte.
Was die Gesetze anbelangt, da denken wir zuerst einmal an die „10 Gebote“ den Gott dem Propheten Mose auf dem Berg Sinai übermittelt hat. Jedoch lange vor der geschichtlichen Zeit, also zur Zeit der „Jäger und Sammler“, gab es natürlich auch schon Verhaltensregeln und Vereinbarungen, die man einhalten musste.
Es gab Dinge, die durfte man nicht tun, und es gab Dinge, die man tun musste.
Es waren mündliche Vereinbarungen, und sie wurden über die Generationen mündlich weitergegeben. Erst in der geschichtlichen Zeit wurden Gesetze schriftlich kodifiziert.
Dies bedeutet, mit den Gesetzen kamen auch die Begriffe Gut und Böse in die Welt.
Wer gegen die Gesetze verstoßen hat, war böse. Wer die Gesetze befolgte, war gut.
Da in der Welt alles in einer Polarität abläuft, waren über die Jahrtausende ein System entstanden, welches den Lauf der Geschichte fortan bestimmte.
Das Gute wurde mit einem Gott verbunden, das Böse mit einem wie auch immer gearteten Teufel und der Hölle.
Wer die Gesetze nicht achtet und sich im Sinne des Gesetzeskodex dem Bösen zuwendet, also Böses tut, muss bestraft werden.
In all den vergangenen Jahrhunderten war es die Angst vor der Strafe, durch die Herrscher und die Kirche, welche viele Menschen davon abhielt, Verbotenes, das heißt Böses, zu tun.
Gestraft hat die weltliche Macht durch den Gesetzeskodex und die kirchliche Macht durch die Drohung mit der Hölle.
Trotz vieler Fehden, Kriegen und Auseinandersetzungen bildeten die Gesetze einen Ordnungsrahmen, der es ermöglichte, Handel und Landwirtschaft zu betreiben und sich zu entwickeln.
Jedoch mit Beginn der Renaissance und der Aufklärung traten ethische, moralische Forderungen auf, die zukünftig die Gestaltung des Zusammenlebens der Menschen in der Neuzeit wesentlich mitbestimmten.
Als großes Beispiel sei hier Immanuel Kant (1724 -1804) mit seinem „kategorischen Imperativ“ erwähnt.
Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
(Ausschlaggebend ist also, dass du dir vor einer Handlung deine persönlichen Leitsätze, Maxime vor Augen führst.)
Ein anderes Beispiel für das Auftreten ethisch, moralischer Kategorien in der Geschichte der menschlichen Gesellschaft ist zum Beispiel die Gründung der „Vereinigten Staaten von Amerika“ mit der Verfassung im Jahre 1787 mit dem Hauptmerkmal: Staatsgewalt durch Volkssouveränität und Gewaltenteilung in Legislative, Exekutive und Jurisdiktion. Die Zusatzartikel (Bill of rights) enthalten die verfassungsmäßigen Grundrechte der Bevölkerung.
Einer der Gründerväter der USA war Thomas Jefferson, 3. Präsident 1801 bis 1809 und hauptsächlicher Verfasser der „Unabhängigkeitserklärung“, der Declaration of Independence.
Jefferson war 3 Jahre lang Botschafter der Vereinigten Staaten in Paris, und dort wurde er stark beeinflusst durch die Gedanken der Aufklärung und der französischen Revolution, die kurz zuvor stattgefunden hatte. Somit gelangten moralische und ethische Einflüsse in die allgemeine Gesetzgebung wie Menschenwürde, die Gleichheit aller Menschen, das Recht auf Streben nach persönlichem Glück. The pursuit of happiness.
Das bürgerliche Recht und das Strafrecht regeln das Zusammenleben der Menschen in einer Gesellschaft, das Hinzutreten ethischer Aspekte schafft die Möglichkeit, eine gerechtere Welt herbeizuführen.
Neben diesen Gesetzen, die das Zusammenleben regeln, und den Gesetzen der Physik, welche in der Natur walten, gibt es aber auch übergeordnete Gesetze, die fundamental gültig sind und den Ablauf allen Geschehens bestimmen.
Der Schriftsteller Rüdiger Dahlke nennt diese Gesetze „Schicksalsgesetze“. Sie gelten universell in der Natur und in allem „Sein“. Es sind zum Beispiel die Gesetze des Geistes, der Kausalität, der Resonanz, der Polarität.
Sie gehen zurück bis in eine graue Vorzeit und wurden formuliert von einem Menschen, den man als „Hermes Trismegistos“ bezeichnet und der wohl um 3000 vor unsere Zeit in Ägypten lebte. Diese mythische Gestalt des Hermes, des dreifach Großen, soll 7 Gesetze auf zwei Smaragdtafeln, die sagenumwobene „tabula smaragdina“, geschrieben haben. Diese Tafeln sind zwar verschollen, wurden aber immer wieder in den folgenden Jahrhunderten in verschiedenen Schriften und Kulturen erwähnt. Die Kernaussage ist das Gesetz der Resonanz, die Entsprechung zwischen „Oben und Unten“, zwischen „Innen und Außen“.
Es gibt drei Arten von Gesetzen:
Zum Ersten, die erwähnten von Menschen gemachten Gesetze, ohne die ein Zusammenleben der Menschen nicht möglich wäre.
Zum Zweiten, die normalen physikalischen Gesetze, die in der Natur und in der Materie wirken, die wir erkennen können und die es uns erlauben, die Welt nach unseren Wünschen und Vorstellungen zu gestalten. Ein Beispiel ist das Gesetz der Gravitation.
Zum Dritten, die erwähnten Schicksalsgesetze, welche übergeordnet sind und alles Sein bestimmen. Sie sind Grundlage für alles Geschehen und ohne sie wäre alles, was geschieht, nicht denkbar.
Ein weiteres Fazit aus den hier angestellten Überlegungen könnte sein:
Es gibt nicht hier den Geist und dort die Materie, alles ist EINS. Wie erwähnt, die Materie ist eine Äußerung des Geistes – der Geist ist in der Materie. Was in der modernen Physik als „Quantenfeld“ bezeichnet wird, mag die Ursuppe sein, aus der heraus alles entstanden ist wie zum Beispiel:
Teilchen (die auch als Welle auftreten), Atome, Moleküle, Zellen (die schon einen Stoffwechsel haben) sowie Organismen wie Pflanzen, Tiere, Menschen.
Es gibt im Geschehen nur eine statische Größe, und das ist die Veränderung. Alles beruht auf Entstehen und Vergehen, und das nach dem Gesetz der Polarität. Es gibt nichts Bleibendes.
Aus reinem Geist kann Energie entstehen, und aus dieser Energie heraus entsteht letztlich Materie. E= m mal c 2
Wir leben vielleicht in einer virtuellen Realität, und durch unsere Wahrnehmung und unser Bewusstsein sind wir ein aktiver Mitgestalter dieser Realität. Dies ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis aus all diesen Überlegungen. Letzten Endes ist alles Geist und Bewusstsein. Wir sind eingebunden in ein universelles Bewusstseinsfeld.
Geist und Materie sind keine getrennten Entitäten, sondern alles ist EINS, nur in immer neuen Erscheinungsformen. Alles ist „ens“, das Seiende. Sowohl Geist als auch Materie stirbt und entsteht neu zur gleichen Zeit.
Ich möchte diese Gedanken mit einem Gedicht von Rainer Maria Rilke abschließen:
Was unser Geist der Wirrnis abgewinnt, kommt irgendwann Lebendigem zugute, wenn es auch manchmal nur Gedanken sind, sie lösen sich in jene großen Blute das weiterrinnt, Und ists Gefühl: wer weiß wie weit es reicht, und was es in dem reinen Raum ergibt, indem ein kleines Mehr von schwer und leicht Welten bewegt und einen Stern verschiebt.
Anhang:
Die 7 Gesetze des Hermes Trismegistos als angeblicher Verfasser der beiden Tafeln der Tabula Smaragdina
- GESETZ DER GEISTIGKEIT
Das All ist Geist, das Universum ist geistig, alles Stoffliche entwickelt sich aus dem Geistigen. Allen sichtbaren Geschehnissen ging ein geistiges Geschehnis voraus. - GESETZ DER ANALOGIE
Wie oben so unten, wie innen so außen, wie im Kleinen so im Großen. - GESETZ DER SCHWINGUNG
Nichts ruht, alles ist in Bewegung, alles schwingt. - GESETZ DER POLARITÄT
alles ist zweifach, alles ist polar, Gegensätze sind von Natur aus identisch, nur im Grad des Ausdrucks verschieden, alle Wahrheiten sind nur Halbwahrheiten. - GESETZ DES RHYTHMUS
Rhythmus gleicht aus, der Ausschlag des Pendels nach rechts ist das Maß für den Ausschlag nach links. - GESETZ DER KAUSALITÄT (Ursache und Wirkung)
Jede Ursache hat ihre Wirkung, Zufall ist nur ein Begriff für ein unerkanntes Gesetz. - GESETZ VON MÄNNLICH UND WEIBLICH
Gesetz der Polarität der Geschlechter.
Uwe Ruppenthal Berlin, den 2.12.2022 und 10.8.2023 ergänzt 20.1.2026
Weitere Gedanken zu Geist und Materie
Wir Menschen nehmen mit unseren Sinnen und unserem Bewusstsein die uns umgebende Umwelt wahr. Es ist aber nicht so, dass wir die aufgenommenen Reize nur aufnehmen und abspeichern, sondern diese Eindrücke werden vorher von unserem Verstand analysiert und geordnet.
Er tut dies nach einem bestimmten Muster. Dieses Muster erzeugt die Grundstrukturen unserer Wahrnehmung. Die Struktur unseres Verstandes ist demnach ein Teil unserer Wirklichkeit.
Wir nehmen also intern die Darstellung der Außenwelt in unserem Gehirn wahr, nachdem unser Verstand diese Reize und Eindrücke verarbeitet hat.
Dies ist in zweierlei Hinsicht einschränkend.
Erstens: Nehmen wir nur einen Teilbereich von Dingen wahr. Wir können nur ein sehr schmales Band von elektromagnetischer Strahlung sehen: das, was wir sichtbares Licht nennen. Manche Tiere können das, sehr viel mehr von den elektromagnetischen Feldern sehen, z. B. das Magnetfeld der Erde.
Zweitens: Unsere Sinne (wie das Sehen) sind zuerst einmal Messinstrumente oder Detektoren, die auf physikalische Reize reagieren, wie das Licht. Diese Reize sind real. Das Gehirn setzt diese Informationen zusammen und interpretiert sie. Dies geschieht nach dem Prinzip der Nutzenmaximierung und nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung sowie im Gehirn abgespeicherter Erfahrungen aus der Vergangenheit. Dadurch sehen wir Dinge nicht unbedingt so, wie sie in Wirklichkeit sind, wir sehen sie manchmal unbewusst verzerrt.
Unser Bild von der Welt ist immer individuell, auch wenn die Physik dahinter für alle gleich ist.
Wenn die Welt nicht unbedingt so beschaffen ist, wie wir sie wahrnehmen, so stellt sich die Frage: Wie ist sie denn wirklich beschaffen?
Auf der Ebene des Seins, auf der wir uns bewegen, zwischen einem Makrokosmos und einem Mikrokosmos gibt es wohl viele unterschiedliche Wahrnehmungen und Deutungen der Gegenwart.
Um diesen Teil der Gegenwart, der für uns nicht wahrnehmbar ist, nämlich den Mikrokosmos, näher kennen zu lernen, müssen wir uns in die Welt der kleinsten Teilchen, das bedeutet in die Welt der Quantenphysik, begeben.
In diesem Falle in die subatomare Welt, die Welt der Elementarteilchen. Sie sind die kleinsten Bausteine der Materie, beziehungsweise das, was wir Materie nennen.
Was den Mikrokosmos, der dem normalen Menschen nicht zugänglich ist, anbelangt, hat die Wissenschaft und Forschung enorme Fortschritte gemacht und neue Erkenntnisse gewonnen.
Bevor wir mit dem Versuch, die oben gestellte Frage zu beantworten, fortfahren, sollten wir uns kurz mit dem Begriff „Materie“ beschäftigen.
Vor mehr als 2000 Jahren hat der griechische Philosoph Demokrit den Begriff „Atom“ als kleinsten Baustein der sichtbaren Welt geprägt. Er nahm an, dass die Welt und alle festen Dinge aus kleinen Kügelchen (später nannte man sie Korpuskel) zusammengesetzt ist, ähnlich einem Baukastensystem. Diese Vorstellung besteht bis zum heutigen Tag immer noch bei den meisten Menschen. Wir müssen diese Denkmuster ablegen und uns den Erkenntnissen der Quantenphysik zuwenden.
Wir wissen heute, dass in dieser Welt der kleinsten Teilchen nicht die „Newton’schen Gesetze“ gelten.
Wir können die Eigenschaften und die Anordnung dieser subatomaren Teilchen nicht vollständig bestimmen. Die kleinsten Bausteine der Materie haben keine klar definierte Identität, sie sind unberechenbar. Der Physiker Werner Heisenberg erkannte schon im Jahre 1927 diesen Sachverhalt und schuf das Gesetz der „Unschärferelation“.
Den Elementarteilchen liegt kein Bauplan zugrunde, deshalb ist ihr Verhalten nicht vorhersehbar, es gibt, was das Verhalten angelangt, nur „Möglichkeiten“ und keine Kausalität.
Zu dem Begriff Materie (wie wir sie wahrnehmen) ist noch zu sagen:
Materie entsteht, wenn sich Massen verbinden. Aber was ist nun „Masse“? Um dies zu verstehen, müssen wir das Atom betrachten. Atomkern und Elektron unterliegen der Schwerkraft und haben ein Gewicht. Zwischen Atomkern und dem Elektron existiert ein großer Abstand, in diesem Vakuum gibt es weder Raum noch Zeit.
Schon im neunzehnten Jahrhundert hat jedoch der berühmte Physiker Michael Faraday die Ansicht vertreten, dass es sich nicht um feste Teilchen handelt, sondern um energetische Zentren, in denen verschiedene Kräfte wirken.
Materie entsteht also dadurch, dass im Atomkern und den Elektronen, die den Kern umkreisen, eine messbare, stark verdichtete Energie herrscht und dies führt zu der Aussage: MATERIE IST SICHTBARE MORPHISCHE ENERGIE.
Alle Atome bestehen zu 99,9 % aus leerem Raum, beziehungsweise Energie, und der minimale Anteil an materieller Substanz ist völlig instabil.
Isaac Newton hat eine Tür aufgemacht und uns gezeigt, wie die physikalischen Gesetze in unserer Alltagswelt wirken. (z. B. Gesetz der Schwerkraft) Er hat uns gezeigt, wie wir durch wissenschaftliches Arbeiten, exaktes Messen und Anwenden dieser Gesetze die Welt verändern können.
Nun tritt aber eine quasi geistige Komponente in dieses materialistische Weltbild ein. Das Einwirken des Geistes auf die Materie, denn auf unerklärliche Weise kommunizieren Geist und Materie miteinander.
Hier sei eine Äußerung von Max Planck, des Mitbegründers der Quantentheorie, erwähnt, der sagte:
Es gibt ein universelles Energiefeld, das die gesamte Schöpfung miteinander verbindet. Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft. So müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten, intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund der Materie. Dieser Geist ist das umfassende, universelle Bewusstsein.
Der Mensch ist in der Lage, durch Geisteskraft biochemische Prozesse auszulösen, welche sich dann körperlich niederschlagen. Er kann durch Beobachtung auf die Materie einwirken und diese verändern.
Ein weiteres spektakuläres Beispiel für diesen Sachverhalt ist in der Quantenphysik das berühmte „Doppelspalt-Experiment“. Hier ändern die Elementarteilchen, in diesem Falle die Photonen des Lichtes, ihr Verhalten, wenn ein Mensch diesen Vorgang beobachtet. (aus Wellen werden Teilchen)
Es geht um die Wahrnehmung – Es ist nicht so, dass hier die Materie und dort der Geist ist. Alles ist eins. Die Materie ist eine Äußerung des Geistes. Der Geist ist in der Materie. Beim Doppelspaltexperiment interagiert der Geist im Gehirn des Beobachters mit dem Geist in den Photonen des Lichtes.
Das Universum ist mentaler Natur, dies sagen schon die jahrtausendealten „hermetischen Prinzipien“. Es existiert für uns nur durch unser Bewusstsein und unsere Beobachtung, diese Beobachtungen formen die Realität.
Dies gilt nicht nur in Bezug auf den Mikrokosmos, sondern auch auf den Makrokosmos.
Wir sind Teil einer kosmischen Illusion, die nicht von der Welt geformt wird, sondern von ihrem eigenen Bewusstsein. Dies ist nicht nur philosophische Spekulation, sondern eine fundamentale Erkenntnis der Quantenphysik, dass unsere Wahrnehmung bzw. unser Bewusstsein die physische Realität konkret werden lässt. Dies bedeutet, dass unser Bewusstsein mit dem universellen Bewusstsein interagiert. Alles ist mit allem verbunden, letzten Endes ist alles Eins.
Ich möchte abschließend noch auf den Begriff „Bewusstsein“ eingehen.
Bewusstsein ist ein Zustand, bei dem die Welt mit den Sinnen wahrgenommen wird, das bedeutet „bei Sinnen sein“. Dies bezieht sich auf alle Lebewesen, Tiere, vielleicht auch in sehr geringem Maße auf Pflanzen. Bei Sinnen sein bedeutet: Ich nehme mich selber wahr, „cogito ergo sum“ sagte René Descartes, ich denke, also bin ich.
Vielleicht ist alles Sein, das ganze Universum, in dem wir leben, von Bewusstsein durchdrungen. Vielleicht deckt sich dieser Begriff der Bedeutung nach mit den Begriffen: Geist, Seele, Psyche, die ja unvergänglich sind und durch Bewusstsein entstehen.
Für uns Menschen, in unserem Alltag, ist Bewusstsein schlicht ein Wahrnehmungsphänomen, das bedeutet, die Fähigkeit, die Dinge, die uns umgeben, wahrzunehmen.
Fazit:
Die Erkenntnisse der Quantenphysik zeigen uns, dass die Materie einen ganz anderen Charakter hat, als wir bislang angenommen haben. Auf subatomarer Ebene ist sie ein äußerst bewegliches Netzwerk instabiler energetischer Beziehungen. Wir müssen davon ausgehen, dass nach dem Standardmodell der Quantenphysik Elementarteilchen normalerweise keine Masse haben.
So haben auch die Photonen des Lichtes keine Ruhemasse. Nun ergibt sich die Frage: Wie kann es dann sein, dass man beim berühmten Doppelspaltexperiment beim Messvorgang mal von Teilchen und mal von Wellen spricht?
Subatomare Teilchen entstehen und vergehen so schnell, dass der Begriff des Teilchens nicht mehr wirklich zutreffend ist. Subatomare Teilchen sind eher temporäre Erscheinungen in einer beweglichen, energetischen Welt. Die Photonen des Lichtes erhalten für eine ganz kurze Zeit eine ganz geringe Masse, indem sie mit dem die ganze Erde umspannenden „Higgsfeld“ wechselwirken.
Nur das Higgsfeld kann Elementarteilchen durch eine Wechselwirkung Masse verleihen.
In der Quantenphysik werden durch die Messung und Beobachtung eines Vorgangs ein Zustand festgestellt, Realität wird durch Beobachtung nicht hergestellt, sondern konkret erfahrbar (möglicherweise durch den „Kollaps der Wellenfunktion“).
Materie ist nichts anderes als Energiekonzentration in einer bestimmten Struktur, und die Grundlage dieser Materie ist die Information. Der Wiener Quantenphysiker Anton Zeilinger, geb. 1945, hat festgestellt, dass es auch in der unbelebten Natur – Informationen gibt. Laut Zeilinger gibt es zwischen den Photonen des Lichtes Übertragungen von Quanteninformationen.
Dies ist eine sehr interessante Erkenntnis, man sollte aber statt des Begriffes „Information“ besser den Begriff „Geist“ verwenden – (hierzu konnte sich die moderne Physik aus bekannten Gründen noch nicht durchringen). Der Begriff Information ist in diesen Zusammenhängen irreführend.
Wir erreichen nicht die Schnittstelle zwischen Geist und Materie, aber wir rücken durch diese Erkenntnisse näher an diese Schnittstelle heran.
Alles Geschehen ist letzten Endes Teil eines größeren göttlichen Plans.
Berlin, den 4.12.2024 und 10.3.2025
Uwe Ruppenthal
Anmerkung
Der quantenmechanische Beobachtereffekt
Der schiere Akt der Beobachtung verändert das physikalische Verhalten der materiellen Welt. Quantensysteme besitzen vor einer Beobachtung oder Messung keine fest definierten Eigenschaften.
Erst die Wechselwirkung mit dem Beobachter zwingt ein Feld von Möglichkeiten zu einer einzigen, greifbaren Tatsache zusammenzufallen. Zum Beispiel zu einem Teilchen mit festgelegten Koordinaten, also einem festen Ort, zu einem bestimmten Zeitpunkt. Durch Beobachtung wandelt sich eine Welle von Möglichkeiten in konkrete physische Teilchen. Dies bedeutet: Durch unser Interagieren mit der Umwelt erschaffen wir erst Realität bzw. Wirklichkeit in unserem Bewusstsein. Niels Bohr und Werner Heisenberg formulierten dies bereits 1927 in der „Kopenhagener Deutung“.
Zwei im Raum, auch über große Entfernungen, voneinander getrennte bzw. verschränkte Teilchen spiegeln im Augenblick der Messung ihren gemeinsamen Zustand wider. Bei einer Verschränkung können jedoch zwischen den beiden Teilchen keine Botschaften ausgetauscht werden. Dies bedeutet, es gibt keine geistige Fernwirkung. Auch bei einer sehr großen Entfernung verschmelzen beide Teilchen zu einer Einheit.
Dies liegt wohl daran, dass der Geist bzw. das Bewusstsein unabhängig von Raum und Zeit existiert. Geist hat keine Begrenzung, weder räumlich noch zeitlich.
Was ist Materie?
Die klassische, newtonsche Physik sagt: Nur was man messen kann, existiert in Raum und Zeit. Es gibt zwei Kriterien: 1) die Masse in kg und 2) das Volumen in m³. Diese Aussage bleibt für die von uns wahrnehmbare Umwelt weiterhin gültig.
Wir nennen dies die REALITÄTSEBENE oder PHYSIKALISCHE EBENE.
Kerngrößen von Quantenobjekten in der Ebene der Realität sind:
- Masse, Energie und Ladung
- Messbar, real und faktisch
- Haben einen Ort, sind lokal
- Existieren in Raum und Zeit
Die Wirklichkeit hat jedoch zwei Ebenen, die untrennbar miteinander verbunden sind: Die zweite Ebene ist die QUANTENEBENE oder EBENE DER POTENTIALITÄT.
Kerngrößen von Quantenobjekten in der Ebene der Potentialität sind:
- Wellenfunktion
- Definiert diskrete Möglichkeiten mit entsprechenden Wahrscheinlichkeiten.
- Nicht messbar, nicht real.
- Hat keinen definierten Ort, nicht lokal.
- Existiert nicht in Raum und Zeit (da nicht messbar).
- Die Wellenfunktion besitzt keinen materiell-energetischen Träger (immateriell).
- Sie hat dennoch eine Wirkung auf das, was real werden kann.
In der klassischen Physik ist alles messbar. In der Quantenphysik, also auf atomarer und subatomarer Ebene, tritt mit der Wellenfunktion etwas hinzu, was abstrakt ist. Dies bedeutet eine geistige Funktion.
Um dies besser zu verstehen, muss man den Aufbau und die Wirkung der Atome näher betrachten.
Alle Atome bestehen grundsätzlich aus einem Kern und einer Hülle. Im Kern befinden sich Protonen und Neutronen, und in der Hülle umkreisen auf verschiedenen Bahnen Elektronen diesen Kern.
Zuerst zum Atomkern:
Sowohl im Proton als auch im Neutron befinden sich jeweils 3 Quarks. Sie haben keine Struktur, weder Volumen noch Masse. Sie sind PUNKTFÖRMIG. Es sind kleine, hochenergetische Zentren. Sie werden zusammengehalten durch die sog. „starke Kernkraft“. Hier ist auch zu erwähnen, dass im gesamten Universum ein sog. Higgsfeld besteht, welches anderen Teilchen sehr kurzfristig Masse verleiht.
Materie entsteht durch energetische Interaktionen.
Zur Atomhülle:
Hier herrscht die Wellenfunktion als Wahrscheinlichkeitswelle, als Kugelwelle. Mit den Elektronen auf verschiedenen Bahnen. (Die Elektronen sind immer in der gleichen Anzahl vorhanden wie die Protonen im Kern.)
Fazit:
Ein Quantenobjekt wie ein Elektron befindet sich vor einer Messung oder Beobachtung in einer Superposition. Es existiert gleichzeitig in mehreren Zuständen.
Die mathematische Wellenfunktion gibt dabei nur die Wahrscheinlichkeit für ein bestimmtes Messergebnis an. Wird eine Messung oder Beobachtung durchgeführt, ändert sich der Zustand schlagartig (Kollaps der Wellenfunktion). Die Überlagerung bricht zusammen, und das System nimmt einen eindeutigen Realzustand an.
Es ist wohl so, dass die Natur im atomaren und subatomaren Bereich nicht kontinuierlich und vorhersehbar funktioniert, sondern in festen Portionen (Quanten) abläuft, vom Zufall geprägt ist und sich Teilchen gleichzeitig wie Wellen verhalten.
Im Mikrokosmos gelten ganz andere Gesetze.
Die Wirklichkeit hat zwei Ebenen, eine von uns wahrnehmbare Realitätsebene und eine für uns verborgene Quantenebene, welche durch die Wellenfunktion geistiger Natur ist.
Uwe Ruppenthal
Berlin, den 4.10.2026