Uwe RuppenthalMalerei · Essays ← Zurück zur Homepage

Essay 6 · Uwe Ruppenthal

Ablehnung und Hass in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung

Es gibt viele Gründe und Ursachen, die dazu führen, dass Menschen Hassgefühle entwickeln. Diese können sich gegen eine andere Person richten, aber auch gegen Gruppen und Institutionen, die eine andere Meinung und ein anderes Weltbild als das eigene vertreten.

Welche Gründe können das sein?

Ganz allgemein gesagt entstehen solche Gefühle, wenn einem Menschen großes Leid und Unrecht zugefügt wird. Dies mag dann berechtigt oder zumindest nachvollziehbar sein. Der Betroffene wird sich wehren, und neben seinem Hass wird er Rachegefühle entwickeln, die zu einem Schlagabtausch und endlosem Streit führen können.

Es müssen nicht immer schwerwiegende, grobe Verletzungen sein, die sich Menschen gegenseitig antun, die zu Streit führen, oft sind Kleinigkeiten die Ursache. Man lehnt den Andern ab, es kommt zu Auseinandersetzungen und man steigert sich in eine Haltung hinein, die zu offener Feindschaft und Hass führen kann.

Hass hat immer etwas Absolutes, man kann nicht ein bisschen hassen, und Hass erzeugt immer eine aggressive Grundhaltung. Es ist die stärkste Form der Ablehnung, die man einem anderen Menschen gegenüber zum Ausdruck bringen kann.

Wenn es zu Auseinandersetzungen kommt, enden diese dann oft in Gewalt, und es ist schwer, die Situation wieder zu befrieden.

Ganz anders stellen sich jedoch Ablehnung und Hass im Alltagsleben unserer Gesellschaft dar, wenn es um Haltungen, Einstellungen und Meinungen der Bürger in Diskussionen und Auseinandersetzungen geht. Dies trifft besonders auf die sozialen Medien zu. Hier treffen ja unterschiedliche Meinungen aufeinander und man hat die Möglichkeit, anonym seinen Hassgefühlen auf den Menschen mit einer anderen Gesinnung freien Lauf zu lassen.

Bürger, die einer bestimmten Partei, Organisation oder Gruppierung angehören, folgen in der Regel einer bestimmten Doktrin und haben ein geschlossenes Weltbild. Manche Bürger haben jedoch keine gefestigten Vorstellungen.

Hier sind sog. Fake News sehr gefährlich, die in unseren Medien zu finden sind. (Was ist richtig – was ist falsch?) Diese Bürger können sich dann völlig falsche Vorstellungen zu eigen machen.

Die heutige Zeit ist bestimmt durch die Schnelllebigkeit. Wir werden ständig mit einer unglaublichen Fülle von Informationen beballert und haben oft gar nicht die Zeit, uns intensiv mit einem Thema oder einer Sache zu beschäftigen. Es sind oft Fertiggerichte, die uns vorgesetzt werden, geschlossene Weltbilder, die uns von Parteien, Organisationen, Konzernen und religiösen Einrichtungen vermittelt werden. Besonders religiöse Glaubensgemeinschaften mit ihren verfestigten Lehren und Ansichten erzeugen oft Hass den Andersdenkenden gegenüber.

Man lässt sich beeinflussen und nimmt eine Lehre, eine Doktrin, eine bestimmte Weltanschauung an und lehnt dann andere Überzeugungen oft auch hasserfüllt ab. Durch die Transformation unserer Gesellschaft zu einem „multikulturellen Gebilde“ hat es der einzelne Bürger heute durch die Vielzahl der sozialen Strömungen viel schwerer als früher, sich zu orientieren.

Es muss jedoch an dieser Stelle erwähnt werden, dass Meinungsvielfalt grundsätzlich sehr positiv und wünschenswert ist.

Fazit:

Hass hat es immer zu allen Zeiten gegeben. Es scheint jedoch, dass diese Haltung in der heutigen Zeit zugenommen hat. Dies mag wohl daran liegen, dass es heute viel mehr unterschiedliche Strömungen und Meinungen in der Bevölkerung in Europa gibt und dass Gruppen mit unterschiedlichen Prägungen nicht oder nur sehr wenig miteinander kommunizieren. Dadurch kann Misstrauen und Ablehnung und auch Hass wachsen.

Die Gesellschaft wird fraktioniert, dadurch, dass sich immer mehr ethnisch geprägte Parallelgesellschaften bilden, die ihre eigene kulturelle Ablehnung und Hass in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung beibehalten, sich abschotten und manchmal noch untereinander zerstritten sind. Dies ist heute in vielen europäischen Staaten zu beobachten und ist wohl ein Ergebnis des Klimawandels, der Globalisierung und der daraus resultierenden, weltweiten Migrationsbewegungen.

Oft ist der Grund für Hass, Mord und Totschlag eine Ideologie oder Glaubenslehre, die dann noch unterschiedlich ausgelegt wird und seit Jahrhunderten zu unermesslichem Leid und Kriegen führt.

Katholiken gegen Protestanten, Schiiten gegen Sunniten usw. Das gleiche läuft ab auf der gesellschaftspolitischen Ebene. Hier bekämpfen sich Staaten, allerdings geht es hier um Besitz, Macht und Einfluss.

Das Gespräch als Möglichkeit, Ablehnung und Hass abzubauen.

Im Zusammenhang mit Ablehnung und Hass ist der Diskurs, das Streitgespräch, eine interessante Möglichkeit, sich näher zu kommen und Spannungen abzubauen.

Bei einem Disput geht es ja immer um ein bestimmtes Thema, einen bestimmten Sachverhalt, ein Topic.

Als Ergebnis einer solchen Unterredung muss man nicht zu einer gemeinsamen Haltung kommen, jeder kann bei seiner Meinung bleiben, aber man versteht den Anderen vielleicht etwas besser. Misstrauen und Ablehnung können abnehmen, wenn man ruhig und sachlich in den Austausch geht. Ein seriös geführter Diskurs ist in der Regel immer eine „Win-win-Situation“. Voraussetzung ist jedoch immer, dass beide Seiten einander zuhören. Dies ist ungeheuer wichtig.

Durch den Austausch, wenn er ernsthaft geführt wird, sind beide Seiten gezwungen, ihren Standpunkt und ihre Haltung zu überdenken und vielleicht zu relativieren oder gar zu ändern.

Das Wichtigste ist das Zuhören, das Ohr ist so wichtig wie der Mund. Keine Seite darf versuchen, die andere Seite unbedingt und um jeden Preis vom eigenen Standpunkt zu überzeugen.

Ein weiterer wichtiger Gewinn aus jeder Unterredung ist der Abbau von Vorurteilen.

Ein Vorurteil zu haben, bedeutet, man urteilt über einen anderen Menschen, ohne ihn gut oder auch nur annähernd zu kennen. Wenn es sich um einen Menschen aus einem anderen Kulturkreis handelt, können die Vorurteile noch wesentlich stärker sein. Das Anderssein genügt dann, um einen Menschen abzulehnen oder gar zu hassen. Vorurteile zu haben, bedeutet oft, unfähig zu sein, sich auf das Fremde, Unbekannte einzulassen. Vielleicht ist es auch Angst vor dem Andersartigen.

In einer Welt, die zusammenwächst, ist eine solche Haltung nicht zu akzeptieren.

Es gibt einen Konflikt bzw. gesellschaftliche Widersprüche, die man nicht auflösen kann.

Dieser Konflikt ist uralt und erklärt sich aus dem Zusammenleben verschiedener, unterschiedlicher Ablehnung und Hass in der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Jeder will an seiner Ablehnung und Hass in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung festhalten, was jedoch in einer globalisierten Welt mit ihrem Migrationsgeschehen immer schwieriger wird. Die Gegensätze zwischen arm und reich verstärken sich. Die Gegensätze zwischen den Menschen, die noch in Sicherheit leben, und denjenigen, die gezwungen sind, ihr Land zu verlassen.

Dieses Zusammenstoßen verschiedener Kulturen und Lebensformen birgt natürlich in sich viel Zündstoff für Ablehnung und Hass sowie Feindschaft bis hin zu Krieg. Das Problem, das sich ergibt, besteht darin, die unterschiedlichen Lebensformen unter einen Hut zu bringen.

Fazit:

Um Frieden für den Einzelnen und die Gesellschaft herbeizuführen und zu erhalten, ist das Wichtigste: miteinander zu reden, sich austauschen, auf den Andern zugehen. Nur so kann man Vorurteile abbauen und zusammenleben. Solange geredet wird, wird nicht geschossen.

Hierzu noch ein Spruch: Dumme Menschen ignorieren Fakten, die nicht in ihr Weltbild passen.

Uwe Ruppenthal, Berlin, den 5.7.2024